Die Macht von Gedanken und Sprache

„Warum? Warum passiert das immer mir?“

Vielleicht kennt jemand diesen Gedanken, wenn mal wieder etwas im Leben passiert, mit dem man nicht gerechnet hat und einem Steine in den Weg gelegt werden. Manche Steine haben ihren Zweck, doch manche sind auch durchaus hausgemacht. Hausgemacht durch die Art, wie wir denken.

Dazu eine kleine Geschichte von mir, denn auch ich stellte mir eine Zeitlang diese Frage sehr intensiv. In dieser Zeit schien es so, als würden mir nur solche Querschläger im Leben begegnen. Gefühlt hatte ich nicht nur eine Pechsträhne, sondern einen ganzen Farbtopf davon.

Mein altes Auto hatte gezickt, so dass ich nach mehreren Werkstattbesuchen entschied, ein neues Auto zu kaufen. Doch auch hier war ich über mehrere Wochen wegen einer aufleuchtenden Reifendruckanzeige Stammgast beim Händler. Kaum war das abgeschlossen, forderte mich eine Kontrolllampe zur Inspektion auf (worauf ich beim Kauf nicht geachtet hatte). Als dann alle Leuchten im Auto zufriedengestellt waren, hatte ich wiederum einige Arzttermine, sozusagen die Inspektion meinerseits. Unter anderem eine Zahnwurzelbehandlung, bei der sich herausstellte, dass ich mit meiner Zahnbesatzung das nächste halbe Jahr mit Arztbesuchen beschäftigt sein werde. Hinzu kamen andere Arzttermine, da ich weiterhin dabei war, gute Lösungswege für meinen gereizten Magen zu finden. Auf dem Weg zu einem dieser Termine zerkratzte ich mir dann im Parkhaus die ganze hintere Seite meines neuen Autos. Ich war so durch den Wind, dass ich, beim Arzt angekommen, fast nicht mehr wusste, weshalb ich dort war. Auf seine Frage „Was er für mich tun könne“, hätte ich ihn beinahe gefragt, ob er denn Autoreparaturen macht. (Zum Glück kam mir dann doch noch der Grund meines Besuches in den Sinn.) Und zu guter Letzt, sozusagen zur Krönung dieser gesamten Pleiten-Pech-und-Pannen-Serie regnete es ein paar Tage später, an meinem Geburtstag, nach viermonatiger Trockenperiode durch das Dach in meine Küche hinein. Ja, da fragte ich mich auch „Warum immer ich?“

Wie es oft so ist, bei anderen blicke ich recht schnell durch. Allerdings bei mir selbst, ja, da kann ich lange fest verankert auf der Leitung stehen bleiben. Doch nachdem sich diese merkwürdigen Ereignisse auf immer kürzere Zeit verdichteten, habe ich dann tatsächlich mal einen Schritt zur Seite gewagt, runter von der Leitung.

Ja, warum passierte mir denn in der letzten Zeit immer so viel Seltsames, was ich überhaupt nicht gebrauchen konnte? Ich habe doch gelernt, dass man mit seinen Gedanken das Geschehen beeinflussen kann. Was genau also spielt sich in meinem Kopf ab, weshalb diese Missgeschicke passieren bzw. so einen Raum in meinem Leben einnehmen? Und so fing ich an, mich und meine Gedanken zu beobachten. Hatte ich doch in meinen Ausbildungen und durch das Meditieren genau das gelernt.

Immer, wenn man sich eine Frage stellt, liefert irgendwann das Unterbewusstsein die Antwort. Bei mir war es mitten in einem Gespräch mit einem Kunden, dem ich „in lustig“ von diesen Turbulenzen erzählte. Genau in diesem Moment fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Es passiert unter anderem, da ich mir in dieser Rolle gefalle. In der Rolle des „vom Leben gebeutelten Tollpatschs“. Nein, es war nicht schön, dass mir selbst gegenüber einzugestehen. Ich? Ich selbst finde es gut, ein Tollpatsch zu sein? Aus welchem Grund sollte das von Vorteil sein? Und begleitet von einem Gefühl von Scham blickte ich dahinter.

Wenn wir solche Geschichten erzählen (ich habe dieses Phänomen durchaus auch schon bei anderen beobachtet), bekommen wir oft das Mitgefühl von anderen. „Ach herrje, der / die Arme.“ Wir können sie auch als Ausreden nutzen, wenn wir irgendetwas nicht so hinbekommen. Ja, manchmal helfen sie uns auch, uns kleiner zu machen oder uns als Pausenclown hinzustellen, damit der andere sich besser fühlt. Die Wahrheit, die hinter solchen Verhaltensweisen stecken kann, ist nicht immer bequem und bestimmt gibt es noch eine ganze Menge anderer Gründe, warum wir solche oder andere Pannengeschichten und Aufreger zum Besten geben. Doch das würde jetzt hier den Rahmen sprengen.

Für mich war diese Erkenntnis der Moment, um einen neuen Entschluss zu fassen. Ab jetzt wollte ich anders damit umgehen. Denn, war es wirklich das, wie ich sein wollte, ein tollpatschiger Pausenclown? Nein, garantiert nicht. Also brauchte ich für mein Gehirn eine andere Strategie, um weg von diesem Schlamassel zu kommen. Ich hörte auf, darüber nachzudenken „Warum immer ich?“, sondern dachte: „Was kann ich tun, um zu anderen Ergebnissen in meinem Leben zu kommen?“ Das war der Punkt, an dem ich aufhörte, ständig diese Geschichten zu erzählen. Und, siehe da, von jetzt auf gleich stellte sich eine Veränderung in meinem Leben ein. Mit dieser Entscheidung, meine Sprache und mein Reden zu verändern, verwandelten sich auch die Geschehnisse um mich herum. Es wurde ruhiger und alles kam in einen besseren Fluss. Nein, es ist nicht so, dass dann immer nur alles glatt gelaufen wäre, doch die Querschläger wurden weniger und vor allem kosten sie mich seitdem weniger Energie. Denn jedes Mal, wenn wir wieder davon berichten, laden wir sie neu auf und damit auch das miese Gefühl in uns. Gleichsam können wir uns in gute Schwingung versetzen, wenn wir von schönen Dingen erzählen.

Wenn wir uns entscheiden, etwas nicht mehr zu tun, entsteht erstmal ein Vakuum. Worüber soll ich denn dann sprechen, wenn ich all das nicht mehr erwähne? Wer und wie will ich denn dann sein, wenn ich nicht mehr der „Tollpatsch, Pausenclown“ oder ähnliches (Trotzkopf, sturer Bock, Besserwisser usw.) bin? Letztlich ist es genau dieses Vakuum, dass wir brauchen, um uns neu zu erfinden. So eine Lücke wird sich immer wieder schließen, denn Vakuum ist in unserem Leben nicht vorgesehen.

Wichtig dabei ist, bewusst zu entscheiden, wer wir dann sein wollen, womit wir diese Lücke schließen wollen. Denn genauso, wie wir dem Tollpatsch durch unsere Gedanken und Sprache Kraft geben oder entziehen können, können wir auch den erfolgreichen, energiegeladenen, wachen, lebensfrohen und gesunden Teil in uns stärken, indem wir unseren Fokus darauf lenken. Wir alle sind so viel mehr, frei nach dem Motto „Wer bin ich und wenn ja, wieviele.“ In uns steckt ein ganzer Bus an Persönlichkeiten, die von uns gelebt werden können. Doch ganz oft geschieht die Wahl, welcher Teil davon das Ruder übernimmt unbewusst, anhand unserer Erfahrungen und Prägungen.

Wenn wir allerdings anfangen, uns bewusst die Frage zu stellen „Wer und wie will ich wirklich sein?“, beginnen sich die Sterne um uns herum neu zu formatieren. Unser Unterbewusstsein, das immer in Resonanz mit unseren Gedanken geht und eine Harmonie zu ihnen herstellen will, wird Neues anziehen.

Mit unseren Gedanken fängt es an. Also frage ich Dich: „Wer willst Du wirklich sein? Und, wie wärst Du dann? Wie würdest Du Dich verhalten? Was würde bleiben und was würdest Du weglassen? Was würde sich dann verändern und woran würdest Du es merken? Worüber möchtest Du sprechen?“

Und was hält Dich davon ab, es jetzt auszuprobieren? Welche Weichen kannst Du jetzt stellen, um die Veränderung hervorzurufen?

Genau das ist ein großer Teil meiner Arbeit im Mental- und Lifecoaching, einen Gedankentausch hervorzubringen, um das Leben neu auszurichten. Wie Du gelesen hast, kann ich Dir aus eigener Erfahrung (und das war nur eine von vielen) berichten, dass es funktioniert. So möchte ich zum Abschluss noch Andreas Enrico Brell zitieren. „Das Leben ist eben doch ein Wunschkonzert, wenn Du es verstehst, die Lieblingsmelodie Deines Herzens zu bestimmen.“

Wie bist Du und Dein Leben, wenn alles möglich wäre? Es gibt eine Stimme in Dir, die es bereits weiß. Erlaube Dir, sie zu hören. Du bist Dein Kompass. Und Deine Gedanken bestimmen die Beschaffenheit Deines Weges.

Liebste Grüße, Deine Martina